Rückholung der historische Königsketteaus New York im Jahre 1988durch 1.Schützenmeister Leonhard Fiedlerund Volksbankdirektor Erwin StolzZeitungsbericht im Landberger Tagblatt vom Samstag, den 28. Mai 1988 Verschollene Königskette wieder daheim Riesenfreude bei Landsbergs Feuerschützen – Nach 43 Jahren nun in New York „fündig“Landsberg (rn) Ein schillernder Roman ? Keineswegs ! Ein phantasiereiches Märchen mit etwas Heimat-Romantik und etwas nostalgischem Flair ? Schon gleich gar nicht ! Nein, es ist eine wahre Geschichte, bald schon mehr ein Abenteuer ! Noch keine zwei Wochen alt aber bald vergleichbar mit der Kühnheit und dem Pioniermut von ehedem, als einst Männer und Frauen aus Europa über das große Meer in die „Neue Welt“ aufbrachen. Diesmal war es allerdings ein Flug übers Wasser, und es waren zwei delegierte der Kgl. privil. Feuerschützen aus Landsberg, die nach drei abenteuerlichen Tagen in New York mit der wertvollen Königskette der Landsberger Feuerschützen im Reisegebäck an den Lech zurückkehrten. Mit einer Kette aus Silbermünzen und –medaillen, die seit dem vorigen Jahrhundert, seit 1885, jeweils die Brust des stolzen Schützenkönigs der Feuerschützen dekorierte, doch nun 43 Jahre lang als verschollen galt. Jetzt ist sie wieder da und die Landsbergs Feuerschützen, Männer und Frauen, werden dieses schon bald historisches Ereignis am morgigen Sonntagnachmittag in ihrem Schützen-Domizil in Sandau gebührend Feiern und „hochleben“ lassen. Man schreibt den Donnerstag, den 28. April 1988 ! Ein Telefonanrufer aus Schweinfurt wünscht in der AEG-Firma in Landsberg Leonhard Fiedler aus Petzenhausen, derzeit Erster Schützenmeister der Kgl. privil. Feuerschützen Landsberg, deren Gründung bis ins 15. Jahrhundert zurückgeht, zu sprechen. Der Anrufer stellt sich als Reinhold Jordan vor, ist Mitglied des großen Schweinfurter Schützenvereins „Altschützen“, zugleich aber – was hier noch wichtiger und sogar ausschlaggebend ist – Vorstand eines Numismatiker-Vereins in seiner Stadt. Reinhold Jordan ins Telefon: „... Ich habe einen Münzkatalog der Münzgalerie Stack’s in New York, West 57 th Street, in der Hand und darin wird eine Schützenkette aus Landsberg zur Versteigerung am 25. Mai 1988 , also in vier Wochen, angeboten...“ Für Leonhard Fiedler, der sich noch einige nähere Angaben aus diesem Münzkatalog zu diesem Versteigerungsangebot der Schützenkette erzählen läßt, besteht bald kein Zweifel mehr, daß es die seit 43 Jahren vermißte und gesuchte alte Königskette der Feuerschützen ist. Schützenmeister Fiedler ist trotz seiner jungen Jahren sehr gut über die einstige silberne Königskette und deren Details und Feinheiten informiert. Bereits am nächsten Tag, am 29. April, bringt ihm der Postbote den Münzkatalog seines Schweinfurter Schützenkameraden ins Haus. Die Abbildung der wertvollen Feuerschützen-Königskette, die in diesem Katalog mit rund 3000 Dollar zur Versteigerung ausgeschrieben ist, beseitigt auch letzte Unklarheiten des Schützenmeisters, des zur Rate gezogenen Ehrenschützenmeister Andreas Moser aus Sandau und weitere Schützensenioren: Ein aus purem Silber gegossener Kaiser-Wilhelm-Adler, der inmitten der vielen unterschiedlich gestalteten Silbermünzen die Kette ziert, ist Buchstäblich „lebender“ Beweis, daß die Kette im New Yorker Münzkatalog mit der vor 43 Jahren aus dem Tresor der damaligen Stadtsparkasse Landsberg verschwundenen Königskette identisch ist. Amerikanische Besatzungssoldaten dürften dieses kostbare Stück in „private Tasche“ requiriert haben. Nicht mehr zu ergründen jedoch, wer die Kette genommen, wohin sie gewandert und wo sie bis zur Versteigerung gewesen ist. Nun begann die eigentliche Odyssee von Schützenmeister Leonhard Fiedler und seines Schützenkameraden Erwin Stolz (Volksbankchef), die beide vom Ausschuß ihres Vereins dazu ermächtigt wurden, selbst nach New York zu fliegen und diese Kette in deren Heimatstadt zurückzuholen – und dies möglichst billig. „Es folgten bis zum 22. Mai harte drei Wochen, schlaflos Nächte, Telefonate und Besprechungen“ so Leonhard Fiedler heute. Erwin Stolz hatte in diesen Wochen in München und Bonn alles abgecheckt mit dem Ergebnis, daß auf juristischem Wege diese Königskette nicht mehr an den Lech zurückgeholt werden könne – es müsse der alleinige Weg über diese Versteigerung gegangen werden. Sonntags, 22. Mai 1988 Mittags 12 Uhr hebt in München-Riem die Maschine mit dem Taufnamen „Leverkusen“ in Richtung New York ab, mit ihr zwei Passagiere aus Landsberg, Leonhard Fiedler und Erwin Stolz. „Der Name Leverkusen war für mich ein gutes, beruhigendes Omen, hat doch die Elf von Bayer Leverkusen erst einige Tage zuvor den UEFA-Pokal gewonnen“, erzählte Leonhard Fiedler. In seinem Reisegebäck dabei: Eine Foto-Bilddokumentation, die die alte, wertvolle Königskette der Feuerschützen in vielen Variationen zeigt, aber auch deren ehemaligen stolzen Träger. In der Reisetasche von Erwin Stolz jedoch ein Pack Dollarnoten und Travellerschecks, dafür umso weniger D-Mark. Am Nachmittag setzt die Lufthansa-Maschine „Leverkusen“ auf dem Rollfeld in Kennedy Airport auf, wenig später beziehen beide Landsberger im Hotel Madison Towers in der Madison Avenue Quartier. Zwei Tage hatten sie noch Zeit, um alle möglichen Fäden zu ziehen, um Verbindungen herzustellen und das Wohlwollen der New Yorker Münzgalerie zu erwerben. Kontakte werden geknüpft mit dem bekannten New Yorker Star-Anwalt Stern genauso wie mit Kunsthändler Prinz von Öttingen-Wallerstein aus deutschen Adelsgeblüt. Das Vorfeld wird recherchiert und sortiert. Auch die Türen der Münz-Galerie Stacks in der 57 th Street öffnen sich auf freundschaftliche Weise den Landsbergern und deren Mister Risk weiß bald um die Anliegen der Landsberger. Nicht zuletzt ist es das Bayerische Flair, der „Bavarian look“ , der den Landsbergern manche Kontaktaufnahme erleichtert. Bierkrügl in den bayerischen Farben und der Bayerische Löwe in Wappenform helfen dort, wo es notwendig ist, noch zusätzlich nach. „Wir sollten und wollten möglichst billig in den Besitz dieser Kette kommen“ , so die beiden. Die Mitbringsel über den großen Teich haben sich jedenfalls ausbezahlt. Mittwoch, 26. Mai 1988: Um 16 Uhr schließt die Münzgalerie die „nicht offene Versteigerung“ für die Schützenkette ab. Erwin Stolz und Leonhard Fiedler sitzen zwei Stunden zuvor in einem nahe gelegenen Cafe und versuchen, ihre Nervosität und Spannung mit Koffein hinunterzuspülen. Um 15.45 Uhr gelingt ihnen dann der große Coup. Alles verläuft nach Maß, Mister Risk und seine Mitarbeiter stehen voll auf der Seite der Landsberger. Hier die silberne Schützenkette, dort die Papiere und die Schecks. Schon verlassen Fiedler und Stolz die Büros der Galerie, in der Reisetasche statt der mitgebrachten Dollars nun die Silberkette. Noch war es nicht 16 Uhr, da stellte sich ihnen im Vorraum unversehens noch ein weiterer Interessent in den Weg. Ein Amerikaner, dessen Frau angeblich aus Landsberg stammt, und der unbedingt sein Gebot für die Schützenkette noch erhöhen wollte, um den Zuschlag zu erhalten. Noch einmal wird es kritisch für die beiden „Feuerschützen“, die jedoch mit viel Geschick und auch mit etwas Frechheit, dazu „Flankenschutz“ durch das Personal der Galerie, Sekunden vor 16 Uhr das Haus verlassen können. Hinunter auf die 57 th Street, hinein ins Taxi und ab „via Kennedy Airport“, wenn auch im typischen amerikanischem „go and stop“. Dort Gepäckaufgabe. Um 17.52 Uhr steigt Leonhard Fiedler in das Flugzeug zum Rückflug nach München, eine Minute später Erwin Stolz. Um 17.56 Uhr rollt die Maschine an um wenig später abzuheben. Die Feuerschützen-Königskette kehrt nach 43 Jahren dorthin zurück, wo sie einst schon der Landsberger Schützen Stolz war. Doch die Gretchenfrage: was hat dies nun alles gekostet? Leonhard Fiedler und Erwin Stolz schweigen sich zwar über die eigentlichen Kosten für die Einsteigerung der Kette aus, doch alles in allem hatte dieser abenteuerliche Tripp in die USA 15000 Mark erfordert. Weit weniger, als man auf irgendeinem juristischem Weg das Eigentümerrecht eingeklagt hätte – ob mit Erfolg, das steht in den Sternen. Die Feuerschützen aber hoffen, daß die Stadt, Mäzene und weitere Sponsoren sie nicht im Stich lassen. Januar 1999 Leonhard Fiedler |